Sturm, meterhohe Wellen
und ein sensationeller deutscher Wellenreiter: Der 26. Colgate World Cup war einer
der spektakulärsten in der langen Geschichte des Windsurf-Highlights. Nie zuvor
sahen die Zuschauer ein solches Feuerwerk an Sprüngen, Loops
und Wellenritten wie bei dem wohl besten und spannendsten Waveriding-Wettbewerb,
der jemals am Brandenburger Strand zu sehen war.
Ein Mann sprang in die Herzen der deutschen Fans und wurde zum Helden von Sylt:
Klaas Voget zeigte eine schier unmenschliche Leistung
und eroberte nach einer fantastischen Vorstellung den zweiten Platz. Insgesamt
elf Mal ging der Hamburger an den Start, eliminierte nacheinander den
dreifachen Wave-Champion Kauli
Seadi (Brasilien) und den neuen Titelträger Josh Angulo (Kapverden). Doch die über fünf Meter hohen Wellen
und mehr als acht Windstärken forderten nach über drei Stunden ununterbrochenen
Wettkämpfen ihren Tribut.
Im Finale verließen den 30-Jährigen die Kräfte, gegen den Spanier Alex
Mussolini hatte der von Krämpfen geplagte Deutsche keine Chance. "Ich war
am Ende total fertig, konnte kaum noch das Segel halten. Aber die Zuschauer
haben mich immer wieder nach vorne gepeitscht. Und der zweite Platz hier und
damit der Vierte in der Weltrangliste ist ein Super-Erfolg", freute sich der überglücklicher Waverider.
Neuer Weltmeister wurde Josh Angulo (Kapverden), dem
ein dritter Platz zum Gewinn seines ersten Titels reichte.
Einen tollen Wettkampf machte auch Fabian Bruch aus Wilhelmshaven, der auf
einem glänzenden sechsten Rang landete. Jungstar Philip Köster,
der zweit jüngste World Cup Sieger aller Zeiten, schied überraschend früh aus
und wurde 33. Bei den Damen siegte Iballa Moreno aus Spanien zum zweiten Mal auf Sylt. Ihre
Zwillingsschwester Daida sicherte sich als Zweite
ihren insgesamt 15. WM-Titel. Die Kielerin Steffi Wahl belegte einen guten
siebten Platz und versprach: "Im nächsten Jahr fahre ich unter die Top
Five."
Im Freestyle teilten sich Andre Paskowski (Hamburg)
und Normen Günzlein (Heiligenhafen) den neunten
Platz. Während der Weltranglistensechsten Paskowski nicht ganz zufrieden war, freute sich Günzlein nach seiner furiosen Aufholjagd. "Ich habe in
der zweiten Runde tolle Wettkämpfe gemacht und bin total happy",
so der Freestyler. Elton "Taty"
Frans aus Bonaire gewann das Finale auf Westerland
gegen seinen Landsmann Kiri Thode. Jose "Gollito" Estredo aus
Venezuela fuhr mit dem vierten Platz seinen dritten WM-Titel ein.
Im Slalom dominierte wie schon während der gesamten Saison der Franzose Antoine
Albeau. Der alte und neue Weltmeister siegte vor
Björn Dunkerbeck, der im Verlauf der Rennen immer
besser in Schwung kam, aber seinen elften Syltsieg auf das nächste Jahr
verschieben muss. Ein wenig Pech hatte Bernd Flessner.
Zweimal schrammte der Mann von Norderney nur knapp am Einzug in die Finalläufe
vorbei, war als Zwanzigster aber bester Deutscher.
Den Schusspunkt unter die zehn World-Cup-Tage auf Westerland setzten am Sonntag
zwei Surf-Legenden. Bei sechs Meter hohen Wellen und Sturm in Orkanstärke gingen
Robby Naish und Björn Dunkerbeck,
86 Jahre geballte Windsurf-Erfahrung und insgesamt 60
Weltmeistertitel, in die aufgewühlte Nordsee und boten den Zuschauern eine
unglaubliche Supersession. "Das sind die härtesten Bedingungen, die ich je
erlebt habe", sagte Robby Naish, bevor er sich
in die schäumenden Fluten stürzte und zusammen mit seinem jahrelangen
Konkurrenten Björn Dunkerbeck den Naturgewalten
trotzte.
Trotz der überwiegend
stürmischen Bedingungen kamen die Besucher zu Tausenden an den Brandenburger
Strand, bejubelten die großartigen Wettkämpfe der besten Windsurfer der Welt
und feierten abends Party bis in den frühen Morgen. Wie im vergangenen Jahr
konnte die Besuchermarke von 200.000 geknackt werden. Der Colgate World Cup
Sylt wird im nächsten Jahr vom 24. September bis zum 3. Oktober auf Westerland
ausgetragen.
Der Colgate World Cup
Sylt gilt als das größte Windsurf-Event der Welt und genießt auf der PWA
Worldtour als einzige Station den Status eines Super Grand Slams. 118 Aktive
aus 32 Nationen gingen in den Disziplinen Waveriding,
Freestyle und Slalom an den Start und kämpften um ein Gesamtpreisgeld von
105.000 Euro.