Formula WM 2009 Santa Pola - Bericht
von Wiebke Sradnick
Vom 10. bis 20.
September fanden im spanischen Santa Pola die Formulaweltmeisterschaften statt. 100 Starter aus 16
Nationen hatten zum Jahreshöhepunkt gemeldet.
Im Unterschied zur
olympischen Einheitsklasse RSX ist die Materialwahl bei den Formulasurfern
offen. Es gibt lediglich eine Einschränkung: die Frauen dürfen maximal mit
einer Segelgröße von 11 m² antreten. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum
RSX: die Rennen werden erst ab 10 Knoten
gestartet, einem Wind, beim dem alle Surfer im Gleiten und damit gerechte
Ausgangsbedingungen für alle Starter vorhanden sind.
Erst im März hatte
ich das RSX gegen das wesentlich schnellere Formulaboard
getauscht. Auf Grund von Windmangel konnte ich jedoch nur wenige Rennen im
Rahmen des Deutschen Windsurfcups und einige Trainingseinheiten absolvieren und
traf nun auf die internationale Windsurfelite.
In der Organisation
unterscheidet sich eine Formulaweltmeisterschaft nur
wenig von einer RSX-WM. Allerdings ist das Interesse der Medien und des
Publikums unvergleichbar. Große Zuschauertribünen direkt am Strand, ständig
präsente Fernseh- und Kamerateams, Moderatoren, die das Geschehen für Jeden
verständlich machten und sogar Fotografen, die bei der Tonnenrundung, mit Helm
und riesigen Objektiven im Wasser schwimmend, die schönsten Fotos schossen.
Während wir beim
RSX von Zuschauern an Land meist nicht einmal mit dem Fernglas auszumachen
sind, ist das Publikum beim Formula hautnah mit
dabei. Die Rennen werden soweit wie möglich unter Land ausgetragen und somit
erlebten WM-Starter und Zuschauer, bei Rennen
bis zu 35 Knoten und zwei Meter Wellen, Aktion und Nervenkitzel pur.
Auch für mich hielt
diese Weltmeisterschaft viele neue Herausforderungen bereit. Die erste begann
schon beim Aufriggen an Land. Beim RSX ziehen alle Frauen das einheitlich
erlaubte 8,5 m² Segel auf. Entsprechend Wind erfolgt ein erstes Trimmen an
Land, auf dem Wasser kommen dann die Feineinstellungen dazu.
Beim Formula heißt es, sich zuerst einmal für ein Segel zu
entscheiden. Die meisten Damen hatten drei Segel zwischen acht und elf
Quadratmetern zur Auswahl. Dazu kamen drei Finnen in den verschiedensten
Varianten. Da ich, derzeit noch ohne finanzielle Unterstützung, diese Regatta
für mich als Test sah, wie ich mit dem Formulamaterial
zurechtkomme, war meine Materialausrüstung im Vergleich vermeintlich klein: ein
Board, eine Finne sowie ein 10 m² und ein 11 m² Segel. Leider sollte mir das im
Verlauf der Regattaserie noch zum Verhängnis werden.
Nach der Wahl des
Segels und der Finne geht es dann zum Testen des Materials aufs Wasser. Vor dem
Start muss an Land alles so perfekt wie möglich aufeinander abgestimmt sein,
denn eine Veränderung auf dem Wasser ist nicht mehr möglich.
Die Regattaserie
unterscheidet sich auch vom RSX. Anstatt meist elf Rennen mit Medalrace und einem Streicher, surfen die Formularstarter,
wenn möglich, 16 Läufe mit drei Streichern.
Ich musste während
der ersten Wettfahrten Lehrgeld zahlen, da mir Erfahrungen und die Sicherheit
auf diesem Material fehlten. Ich hatte noch zu sehr den Wendewinkel vom RSX im Blut und somit kam ich des Öfteren mit
Überhöhe an der Luvtonne an. Doch das legte sich schnell und schon am zweiten
Wettkampftag konnte ich in der Spitzengruppe mitsurfen. Leider fing ich dann
jedoch mit der Finne in zwei Läufen Plastiktüten was dazu führte, dass ich
jeweils einen Schleudersturz hinlegte. Am dritten Tag war es dann soweit. Der
Wind wehte in der ersten Wettfahrt zwischen 20 und 25 Knoten! Die Männer
starteten zuerst und einige von ihnen mussten das Rennen vorzeitig beenden, da
sie die falsche Segelgröße gewählt hatten. Ich dagegen hatte keine große Wahl
und musste mit meinen 10 m² auf das Wasser. Der Großteil der Männer surfte mit
der gleichen Segelgröße oder sogar kleiner! Das war nicht sehr beruhigend! Ich
surfte total am Limit und konnte das Rennen trotzdem mit einem super dritten
Platz beenden. Im zweiten Rennen des Tages wehte der Wind zwischen 30 und 35
Knoten und es hatte sich zwischenzeitlich eine zwei Meter hohe Welle aufgebaut.
Die Mädels surften mit maximal 9 m² Segel n und
ich musste mit 10 m² und meiner Leichtwindfinne aufs Wasser. Die
Kreuz konnte ich noch surfen, doch Vorwind war für mich nicht mehr möglich.
Mein Brett flog nur noch unkontrolliert durch die Gegend und immer wieder kam
der Wind unter das Brett, so dass ich einfach wegflog und stürzte. Nur drei
Surferinnen beendeten das Rennen, alle anderen
mussten von den Rettungsbooten an Land gebracht werden. So eine Wettfahrt hatte
ich noch nie in meinem Leben erlebt!
An den verbleibenden
Wettkampftagen konnte ich mich dann meist unter den Top Drei platzieren und lag
vor der letzten Wettfahrt mit nur einem Punkt Rückstand auf die Fünfte, auf
Platz sechs. Und auch zum dritten Platz waren es lediglich sechs Punkte. Auf
Grund schlechter Windverhältnisse wurde das entscheidende
Rennen erst fünf Minuten vor der letzten Startmöglichkeit
angeschossen. Der Wind wehte leicht und sehr böig. Nach einem perfekten Start
führte ich in der Nachstartphase mit ca. 100 Metern. Nach der ersten Kreuzhälfte
schlief der Wind jedoch auf meiner Seite ein und ich kam aus dem Gleiten. Der
Wind setzte dann genau auf der gegenüberliegenden Seite wieder ein und somit
hatte ich leider keine Chance mehr, mich weiter nach vorn zu kämpfen. Ich
beendete also meine erste Formulaweltmeisterschaft
mit einem für mich zufriedenstellendem sechstem Platz.
Formulaweltmeistern wurde die Polin Marta Hlavaty, punktgleich vor Allison Shreeve
aus Australien.
Für mich war mein
erster Start bei einer Formulaweltmeisterschaft eine
aufregende und lehrreiche Zeit und ich weiß nun, dass der Wechsel vom RSX zum Formula für mich die richtige Entscheidung war.
Im März kommenden
Jahres werden in Argentinien die neuen Weltmeister ermittelt. Ich hoffe, dass
ich bis dahin meine Ausrüstung entsprechend aufstocken kann, um dann bei der
Vergabe der Medaillenplätze mitmischen zu können.
Wiebke Sradnick
Alle
Ergebnislisten, Infos und Fotos findet ihr unter
http://www.formulawindsurfing.org/.
